Faszination Zughundesport - für Einsteiger und Neugierige

Aktualisiert: 29. Aug 2019



Bewegung sollte in keinem Menschen- und Hundeleben fehlen.

Wer Sport macht, ist weniger anfällig für Stress und dessen Folgeerscheinungen. Wer Sport macht, lebt gesünder und beugt Erkrankungen vor. Wer Sport macht, fühlt sich einfach besser! Das gilt nicht nur für uns Zweibeiner, sondern auch für unsere Hunde.

Wer seine Sportart noch nicht gefunden hat, oder nach einer neuen Herausforderung sucht, der sollte sich einmal der Faszination Zughundesport hingeben.


Wer jetzt denkt, dass Zughundesport nur etwas für Huskys und Co. ist, der täuscht sich. Viele unserer Haushunde eignen sich für diesen Sport und haben sie erst Spaß daran gefunden, hat man eine gemeinsame tolle Beschäftigung. Beim Zughundesport wird der Mensch durch die Zugkraft des Hundes unterstützt, bzw. gezogen. Entweder wird der Hund direkt vor den Menschen (Canicross) gespannt oder vor ein Gefährt, auf dem sich der Mensch dann befindet (z.B. Fahrrad, Scooter, Trike,...). Der Zughundesport ist natürlich auch mit mehr als einem Hund möglich. Im weiteren Verlauf werden wir die gängigsten Anspannungsarten des Zughundesports besprechen und dir den ein oder anderen Tipp an die Hand geben.


Bevor es losgehen kann, solltest du dir die entsprechende Ausrüstung für dich und deinen Hund zulegen.



Das wichtigste ist wohl das Zuggeschirr für deinen Hund. Dies ist ein spezielles Geschirr, das dafür sorgt, dass das angehängte Gewicht optimal verteilt wird und der Hund in seiner Beweglichkeit nicht eingeschränkt ist. Ein Zuggeschirr ist nicht geeignet für den normalen Spaziergang und hat auch nichts mit den Geschirren zu tun, die man sonst im Alltag benutzt. Um Fehlbelastungen zu vermeiden, empfiehlt es sich einen Fachhändler aufzusuchen. Mittlerweile gibt es deutschlandweit Händler, die Zuggeschirre führen, hier lohnt sich auch eine etwas längere Anreise.





Am Zuggeschirr wird eine Zugleine (Jöringleine) befestigt. Diese Leine hat einen Ruckdämpfer integriert, was bedeutet, dass die Leine elastisch ist. Würde man eine starre Leine verwenden, würde die Fortbewegung ruckartig sein und führt auf Dauer zu Verletzungen am Hund und unter Umständen auch am Menschen. Je nachdem für welche Art des Zughundesports man sich entschieden hat, gibt es unterschiedliche Leinenlängen. Solltest du an Wettkämpfen teilnehmen wollen, so informiere dich im Vorfeld beim Veranstalter, ob die Länge der Leine vorgegeben ist.



Du möchtest gemeinsam mit deinem Hund laufen? Dann benötigst du einen Canicross-Gürtel. Dieser Gürtel wird mit der Zugleine verbunden. Wir empfehlen hier einen Gürtel der mindestens Beinschlaufen für einen guten Halt hat, noch angenehmer sind Canicross-Hosen mit Netzgewebe am Gesäß. Sehr ungeeignet sind Gürtel die ausschließlich um die Hüfte gehen und keine zusätzliche Befestigung an den Beinen haben. Diese Gürtel rutschen meist nach einigen Metern hoch und du wirst merken, dass du auf Dauer durch die Fehlbelastung Rücken-, Knie-, Hüft-, oder sonstige Schmerzen bekommst.


Für den Einstieg in den Zughundesport ist Canicross sehr geeignet. Du bist näher am Hund und kannst im Notfall in die Leine greifen. Auch lassen sich Kommandos leichter üben, da du direkt mit deinem Hund verbunden bist und nicht auf einem Gefährt sitzt oder stehst.


Für wen selber Laufen aber so gar nichts ist, der wird wahrscheinlich aufs Fahrrad oder den Dogscooter zurückgreifen. In diesem Fall benötigst du eine Bikeantenne. Diese Antenne wird am Gefährt befestigt. Je nach Antennentyp gibt es verschiedene Befestigungsmöglichkeiten. In jedem Fall sollte aber darauf geachtet werden, dass die Antenne keinen Einfluss auf den Lenker nehmen kann. Die Aufgabe der Antenne besteht darin, die Zugleine vom Reifen fernzuhalten. Die Leine selbst wird direkt am Gefährt und nicht an der Antenne befestigt.



Um in Notsituationen den Hund vom Gefährt lösen zu können, empfiehlt es sich einen Paniksnap mit Bikeschlupf vorzuspannen. Dieser wird direkt am Gefährt befestigt und an ihm die Zugleine. Durch ziehen am Paniksnap löst sich die Zugleine. Man kann diesen Paniksnap auch im Canicross verwenden. Wem der Paniksnap zu klobig ist, der kann auch auf einen Softschäkel zurückgreifen.



Wenn du dich dazu entscheiden hast, den Zughundesport mit dem Bike oder Scooter zu machen, dann ist deine eigene Sicherheit enorm wichtig. Du solltest niemals ohne Helm fahren! Es sind nicht nur Stürze die verdammt wehtun können, auch Unfälle mit Hindernissen, wie z.B. Bäumen sind unschön. Ebenfalls empfiehlt es sich Handschuhe und eine Schutzbrille zu tragen. Kleine Steinchen und Dreck, der vom Hund aufgewirbelt wird, tun weh.

Beim Canicross brauchst du natürlich keinen Helm tragen. Du solltest hier aber besonders auf dein Schuhwerk achten. Da Canicross meist im Gelände stattfindet, macht es Sinn Schuhe mit gutem Profil zu tragen. Sehr geeignet sind Trailschuhe, diese haben besonders guten Grip.


Egal ob du zu Fuß oder auf dem Gefährt unterwegs bist, deine Kleidung sollte in erster Linie bequem und nicht zu flatterig sein, damit du nicht irgendwo hängen bleibst.



Jetzt bist du ausgerüstet und willst natürlich direkt anfangen. Um von Beginn an, das Training sinnvoll aufzubauen, raten wir dir dazu einen Workshop zu besuchen. Es gibt viele tolle Trainer und Hundeschulen in Deutschland und den angrenzenden Ländern, die solche Workshops anbieten.

Auch wenn dein Hund schon von sich aus zieht wie ein Ochse, lernst du in den Workshops, wie du deinen Hund zu einem tollen Teampartner ausbildest, ihm die wichtigsten Kommandos vermittelst und euch vor Verletzungen schützt.


Du möchtest lieber keinen Workshop besuchen und deinem Hund das Ziehen selber beibringen? Dann geben wir dir gerne einen Tipp: Lerne alles in Ruhe.

Das bedeutet, auch wenn der Zughundesport ein schneller Sport ist, ist es enorm wichtig, dass dein Hund innerlich Ruhe bewahrt. Ein Hund, der einfach nur aufgeregt in die Leine knallt und rennt als gäbe es kein Morgen, der hat Stress, ist nicht ansprechbar und das gilt es zu vermeiden. Schließlich seid ihr ein Team und müsst euch aufeinander verlassen können.

Es geht bei diesem Sport schließlich um viel mehr als nur schnell sein, hier geht es um Vertrauen, Spaß und Gelassenheit.


Um das Verletzungsrisiko zu minimieren und deinen und den Körper des Hundes auf die bevorstehende Belastung vorzubereiten, solltet ihr euch vor dem Ziehen aufwärmen (warm up). Läufst du im Canicross, kannst du dich locker einlaufen, ohne den Hund vorgespannt zu haben. Deinen Hund lässt du frei mitlaufen. Sollte dein Hund im Freilauf noch nicht sicher führbar sein, kannst du ihn auch am Halsband OHNE Zug an der Leine mitlaufen lassen (bitte nicht am Gefährt am Halsband führen, hier besteht Unfallgefahr, dann bitte den Hund anders aufwärmen oder frei mitlaufen lassen). Dein Hund lernt hierbei auch gleich den Unterschied zwischen Zuggeschirr = Ziehen, kein Zuggeschirr = nicht Ziehen.


Seid ihr aufgewärmt, kann das Training beginnen. Am einfachsten ist es, wenn man sich im Vorfeld überlegt, was man innerhalb des Trainings lernen möchte, wie beispielsweise den sauberen Start und das Stoppen oder Richtungswechsel. Nimm dir auch immer etwas für dich vor, achte in einem Training z.B. auf eine ruhige und gleichmäßige Atmung, im nächsten Training dann z.B. auf eine gute Körperhaltung und so weiter. Seid ihr fertig mit dem Training, empfiehlt sich ein cool down. Das bedeutet ihr beendet das Training nicht abrupt, sondern bleibt noch einige Zeit in Bewegung, bis der Hund „abgehechelt“ hat, also wieder eine relativ normale Atemfrequenz hat. Auch für dich selbst ist der cool down angenehm und sinnvoll. Ihr solltet darauf achten, dass weder ihr noch der Hund direkt vor dem Training gegessen habt.

Zudem solltest du auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei deinem Hund achten.


Hier noch ein paar grundlegende Dinge: Der Untergrund auf dem der Hund läuft, sollte möglichst Pfotenschonend sein. Vom Laufen auf Asphalt ist abzuraten, da dieser sehr hart ist und oftmals zu Verletzungen an den Pfotenballen führt. Sucht euch Wald- oder Feldwege, da ist es sowieso viel schöner. Ist dein Hund anfällig für Pfotenverletzungen, oder das Gelände könnte seine Pfoten verletzen, kannst mit Pfotenschoner (Booties) Abhilfe schaffen.


Der Zughundesport ist kein Sport für den Sommer. Natürlich kann man auch in dieser Jahreszeit Kommandos üben, aber im Zug arbeiten bei Temperaturen über 15 Grad (manchen Hunden ist selbst dies zu warm, sie bevorzugen noch kühlere Temperaturen), macht keinen Sinn. Anders als wir Menschen, regulieren Hunde ihre Körpertemperatur über ihre Pfoten und den Atem (Hecheln).


Ein Hund sollte im Zug nicht mehr als das Vierfache seines eigenen Gewichts als Last ziehen. Das bedeutet, dass ein Hund mit 25kg Körpergewicht insgesamt maximal 100kg ziehen sollte. Zieht der Hund ein Bike oder Scooter, muss dieser natürlich dazugerechnet werden! Wie bei allen Faustformeln gilt hier jedoch, jeden Hund individuell zu betrachten.


Du hast einen noch sehr jungen Hund und möchtest ihm das Ziehen beibringen? Als Faustformel sagt man, dass der Hund mindestens 1 Jahr alt sein sollte (also ausgewachsen ist), bevor er den Sport ausübt. Größere Hunderassen brauchen länger, da sie meist langsamer wachsen. Natürlich ist es sehr verlockend, besonders wenn man ein kleines Energiebündel zuhause hat, vorzeitig zu starten. Hier spricht auch nichts dagegen, solange es sich auf das Gewöhnen an das Geschirr und die Grundkommandos beschränkt. Einen Hund in der Wachstumsphase voll im Zugsport einzusetzen, kann im schlimmsten Fall zu Knochen- und Gelenkproblemen führen.


Wie auch bei uns Menschen, macht es Sinn den Hund vor dem Beginn mit dem Zughundesport einem Tierarzt vorzustellen. Auch schadet es nicht, einen guten Tierphysiotherapeuten an der Hand zu haben, der sich den Bewegungsablauf des Hundes beim Ziehen einmal genau anschaut.


Wir hoffen dir mit dieser Übersicht den Einstieg in den Zughundesport etwas erleichtert zu haben. Denke immer daran: es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Gib dir und deinem Hund die Zeit die ihr braucht und vor allem: habt Spaß!


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